Historie

Frühgeschichte

Über die Frühgeschichte und ersten Hinweise menschlicher Existenz in Namibia liegen nur wenige verlässliche Quellen vor. Der älteste paläontologische Fund ist ein, in der Kombat Mine von Otavi entdeckter, 12 Millionen Jahre alter Kieferknochen des Otavipithecus namibiensis.
Die ersten Felsmalereien wurden in der sogenannten Apollo-11 Höhle in den Hunsbergen im Süden Namibias gefunden. Ihr Alter wird auf 26.000 v.Chr. geschätzt. Die weiteren Felszeichnungen in Namibia - zum Beispiel die in Twyfelfontein - sind dagegen jüngeren Datums. Man kann aber davon ausgehen, dass bereits seit 3000 v.Chr. Buschmänner in Namibia lebten. Im 15. Jahrdundert zogen Bantu Hirtenvölker aus dem ostafrikanischen Raum in den Norden und Nordwesten Namibias. Die Himba blieben im Kaokoveld, die Herero zogen später weiter nach Süden, wo sie auf die vom Oranje nordwärts ziehenden Nama trafen.

Vorkoloniale Geschichte

Die vorkoloniale Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist ganz wesentlich durch die Arbeit der Missionare geprägt. Besonders die Rheinische Missionsgesellschaft engagiert sich im Süden Namibias. 1811 lässt Missionar Heinrich Schmelen in Bethanien die erste Kirche aus Stein (und das erste Steinhaus) in Namibia erbauen. Viele weitere Missionsstationen und Kirchen entstehen, zum Beispiel in Otjimbingwe, Okahandja und Gobabis. Den Missionaren folgen einzelne Händler, Forscher und Abenteurer.
Im Jahre 1840 gründet der Nama-Häuptling Jan Jonker Afrikaner eine Siedlung im wasserreichen Klein-Windhoek und legt damit den Grundstein für die spätere Hauptstadt Windhoek. Auch die Missionare der Rheinischen Mission unter Carl Hugo Hahn lassen sich kurz darauf hier nieder.
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wird durch erbitterte kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Nama und Herero bestimmt, die um die - wegen anhaltender Dürreperioden - knapp gewordenen Weideflächen und Jagdgründe kämpfen. 1880 erobern die Herero unter ihrem Führer Maharero Windhoek von den Nama. Der letzte große Krieg zwischen Nama und Herero beginnt und dauert zehn Jahre.

Deutsche Kolonialzeit

Die Anwerbung von Siedlern war zu Beginn der deutschen Kolonialzeit sehr schwierig. Hauptgrund war der andauernde Krieg zwischen Hereros und Namas. Die Aufgabe der zunächst nur aus 23 Mann bestehenden Schutztruppe, die 1889 unter Führung von Hauptmann Kurt von François in Walvis Bay an Land ging, sollte darum vorwiegend darin bestehen, zwischen den verfeindeten Volksgruppen zu vermitteln. Die Namas - unter ihrem Führer Hendrik Witbooi - widersetzten sich jedoch der neuen Kolonialmacht.
Erst François' Nachfolger Major Theodor Leutwein gelang es 1894, mit den Namas einen Friedensvertrag zu schliessen, der immerhin bis 1904 hielt.
Obwohl das Deutsche Reich grosszügig Farmland verschenkte, kam die Besiedlung nur zögernd in Gang. 1897 brach eine Rinderpest im Lande aus. Fast die Hälfte der Rinderherden gingen verloren, und auch das auf Ochsenkarren basierende Transportwesen wurde schwer betroffen. Dennoch liessen sich bis 1904 rund 1000 weisse Siedler im Lande nieder.
Am 12. Januar 1904 bricht der Aufstand der Herero unter ihrem Führer Samuel Maharero aus. Mit seinen 6000 Kämpfern fügt er - von Okahandja aus operierend - der deutschen Schutztruppe sowie den Siedlern zunächst schwere Verluste zu. Erst nachdem Verstärkung und Geschütze herangebracht werden und der Haudegen General Lothar von Trotha das Kommando übernimmt, wendet sich das Blatt.
Die Hereros werden in der Schlacht am Waterberg am 12. August 1904 vernichtend geschlagen. Die Überlebenden - auch Frauen und Kinder - müssen in die wasserlose Omaheke Ebene in der Kalahari fliehen, wo viele verdursten.
Nur zwei Monate später, im Oktober 1904, erheben sich die Namas im Süden erneut gegen die deutschen Besatzer, nachdem sie die historische Chance, sich rechtzeitig mit den Hereros gegen die Deutschen zu verbünden, verspielt haben. Die Kämpfe dauern trotzdem bis zum März 1907 und enden mit der Unterzeichnung sogenannter Schutzverträge.
Anschliessend beginnt die Blütezeit der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Binnen weniger Jahre verzehnfacht sich die Zahl der Siedler. 1908 werden zudem ergiebige Diamantenvorkommen in der Nähe von Lüderitz entdeckt. Bergbau entwickelt sich auch an anderen Orten, zum Beispiel in Tsumeb und Otavi. Doch der Beginn des Ersten Welrkriegs bereitet der jungen deutschen Kolonie ein jähes Ende. Bereits 1915 kapitulieren die deutschen Schutztruppen in Tsumeb vor den britisch-südafrikanischen Truppen. Deutsch-Südwestafrika wird Protektorat der Union von Südafrika.

South-West Africa

Mit dem Versailler Vertrag wird Deutsch-Südwestafrika 1919 zum Mandatsgebiet des Völkerbundes unter südafrikanischer Verwaltung erklärt. Deutsch verliert den Status als Amtssprache. 4000 Deutsche verlassen das Land, die meisten bleiben jedoch. Südafrika siedelt Burenfarmer im Lande an, vor allem im Süden. 1951 wird die unselige südafrikanische Apartheid-Gesetzgebung (Rassentrennung) auf South-West Africa übertragen. Mit der Durchsetzung des Odendaal Plans kommt es zwischen 1964 und 1966 zur Bildung von Homelands. Schwarze werden zwangsweise umgesiedelt.
Die UNO entzieht Südafrika 1966 das Mandat. Südafrika erkennt diese Resolution jedoch nicht an und weigert sich, der UNO die Kontrolle über das Land zu übergeben. Die SWAPO (South-West African Peoples Organisation) unter Leitung ihres Präsidenten Sam Nujoma beginnt im gleichen Jahr ihren bewaffneten Befreiungskampf. Er spielt sich hauptsächlich im Ovamboland, an der angolanischen Grenze im Nordwesten, ab.

Namibias Unabhängigkeit

Das Gerangel zwischen UNO und Südafrika sowie der bewaffnete Befreiungskampf der SWAPO dauern 23 Jahre. Am 11. November 1989 finden die ersten freien Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung statt. Die SWAPO gewinnt die Wahlen mit 57% der Stimmen. 1990 wird die Verfassung verabschiedet. Sam Nujoma wird Präsident. Namibia wird als 151. Mitglied in die Vereinten Nationen aufgenommen.

1993 erhält Namibia eine eigene Währung. Der Namibia-Dollar (N$, NAD) wird aber an den südafrikanischen Rand gekoppelt, da Namibias Wirtschaft nach wie vor eng mit der südafrikanischen verbunden ist. Walvis Bay, Namibias einziger, wirtschaftlich bedeutsamer Hochseehafen, wird 1994 von Südafrika an Namibia abgetreten. Damit ist der letzte Schritt zur Unabhängikeit Namibias vollzogen.